MIGRANTINNEN UND FLÜCHTLINGE FORDERN - AUFKLÄRUNG IM FALL VON OURY JALLOH

MIGRANTINNEN UND FLÜCHTLINGE FORDERN - AUFKLÄRUNG IM FALL VON OURY JALLOH

Die Initiative für Oury Jalloh (Dessau) verurteilt die Blockade der Staatsanwaltsch aft, weitere Untersuchungen am Leichnam von Oury Jalloh noch vor dessen Überführung nach Guinea Conakry vorzunehmen, obwohl diese für die Beantwortung offener Fragen notwendig sind. Oury Jalloh ist am 7. Januar 2005 unter noch ungeklärten Umständen im Polizeirevier Dessau gestorben.
Zusammen mit verschiedenen MigrantInnen- und antirassistischen Initiativen fordern wir eine Röntgenuntersuchung, das Bemühen um Aufklärung der Todesursache von Oury Jalloh und den Überführungsstopp bis zur Überprüfung des rechtsmedizinischen Abschlussgutachtens. Gleichzeitig gibt die Initiative bekannt, dass die Stadt Dessau eine öffentliche Trauerfeier im Stadtzentrum verbietet.

Der Tod von Oury Jalloh hätte eigentlich eine Welle der Empörung auslösen müssen. Der Tod von Oury Jalloh hätte eigentlich eine Schande für ein Land sein sollen, das dieses Jahr dem 60. Jahrestag der Ende der Nazi-Gräueltaten mahnt. Aber das ist leider nicht der Fall. Sogar im Gegenteil: Deutschland schweigt. Auch fünf Jahre nach dem Mord an dem Mosambikaner Antonio Adriano in Dessau durch drei Nazis.

Zur Sache:

Niemand bezweifelt, dass Oury Jalloh, der am 7. Januar in der Polizeistation Dessau mit gefesselten Händen und Füßen in seiner Zelle verbrannte, unter noch immer ungeklärten Umständen gestorben ist, genauso wie alle, die sich mit dem Fall befassen wissen, dass es viel mehr Fragen als Antworten gibt.
Nichtsdestotrotz wird alles getan, um das Geschehen vom 7. Januar unter den Tisch zu kehren. So wird es von der Staatsanwaltschaft gegenüber der Rechtsanwältin der Mutter von Oury Jalloh, Regina Götz, abgelehnt, eine Röntgenuntersuchung am Leichnam durchzuführen, obwohl in den Vernehmungsprotokollen von körperlichen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Oury Jalloh und in der Presse von gebrochenen Handgelenken die Rede war. Außerdem bleibt laut der Anwältin ungeklärt, wie das Feuerzeug in die Zelle gelangen konnte, obwohl die Polizeibeamten in ihrer ersten Vernehmung angegeben haben, dass ein Übersehen bei der Durchsuchung
ausgeschlossen sei. Das Feuerzeug taucht in der ersten Asservatenliste vom 10.1. 2005 nicht auf, dann aber in der zweiten. vom 11.1.05. Weitere Fragen der Anwältin sind: Warum wurde Oury Jalloh über mehrere Stunden an allen Gliedmaßen angekettet in der Zelle festgehalten? Wie kann eine nicht entflammbare Matratze von einem gefesselten Menschen angezündet werden? Und wie kann es kommen, dass drei Polizeibeamte von dem Schreien eines verbrennenden Menschen - wenn diese Version zutrifft - und dem Rauch nichts mitbekommen haben wollen?

Nicht nur die Staatsanwaltschaft ist bemüht, die Geschichte möglichst schnell abzuschließen. Auch bei den Behörden und öffentlichen Vertretern der Stadt ist eine Mauer des Schweigens anzutreffen, wenn es um die Aufklärung der Geschehnisse am 7. Januar geht. Selbst eine Trauerfeier innerhalb von Dessau wird den FreundInnen von Oury Jalloh - die einzigen, die sich um seine Geschichte kümmern - "aus politischen Gründen" nicht erlaubt und muss nun in Kleinkühnau am Rand der Stadt stattfinden. Zu offensichtlich ist das Interesse, die Hintergründe vom 7. Januar zu vertuschen und alle weiteren Untersuchungen bis zur Überführung des Leichnams nach Guinea Conakry zu verhindern, die wiederum für die Stadt nicht schnell genug sein kann.

Warum ist Oury Jalloh gestorben? Warum gab es und gibt es so wenig Berichte darüber in der Presse, die dazu noch widersprüchlich waren? Warum die Entledigung einer Geschichte, die zu vielen anderen in Deutschland passt und wie diese zum Verschwinden gebracht wird? Oder ist das einfach noch ein Schwarzer, noch ein Afrikaner, noch ein Asylbewerber der gestorben bzw.
möglicherweise ermordet worden ist? Gehört das wieder zu der Normalität Deutschlands? Wer hätte gedacht, dass 14 Jahre nach Hoyerswerda und 60 nach Auschwitz ein Verbrechen wie dieses einfach verschwiegen wird?

Laut Oberstaatsanwalt Folker Bittmann: "[es] besteht gegen den Polizeibeamten, welcher Jallow am Oberkörper durchsuchte, kein Tatverdacht mehr". Vielleicht verweigert die Staatsanwaltschaft deswegen weitere Untersuchungen am Leichnam, bevor dieser überführt worden ist. Und auch örtliche Politiker aus Dessau scheinen ihre Motive zu haben, warum sie gleichzeitig die Trauerfeier aus dem öffentlichen Raum verbannen wollen.

Die Presse hat nun das Wort.

Wir fordern:

a.. Überführungsstop bis zur Überprüfung des rechtsmedizinischen Abschlussgutachten
b.. Unabhängige Untersuchung der Ereignisse
c.. Anklage wg. versuchtem Mord gegen die Verantwortlichen
d.. Entschädigungszahlung an Oury Jallohs Familie
e.. Schluss mit rassistischer Polizeibrutalität und Kontrolle
f.. GERECHTIGKEIT!!!

Für mehr Information über den Tod von Oury Jalloh, unsere Forderungen oder den Trauerzug, setzen sie sich bitte in Verbindung mit: Mouktar Bah (0176-29435634) E-Mail: plataforma@riseup.net