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Asylbewerber in Thale verbringen Nacht im Freien ohne Essen und Trinken - - Straßenblockade angekündigt

Landrat spricht mit Protestierenden

Asylbewerber in Thale verbringen Nacht im Freien ohne Essen und Trinken
- Straßenblockade angekündigt

von Sigrid Dillge, 10.05.07, MZ

Martin Skiebe (5. v. r.) spricht mit Protestieren
Der amtierende Quedlinburger Landrat Martin Skiebe (5. v. r.) machte sich am Donnerstag in Thale ein Bild von der Situation der im Hungerstreik befindlichen Asylbewerber. Eine Straßenblockade gab es nicht. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld)

Thale/MZ. Die in Thale gegen ihren Umzug nach Halberstadt protestierenden Asylbewerber (die MZ berichtete) haben die Nacht zum Donnerstag im Freien verbracht, ohne Essen und Trinken zu sich zu nehmen. Weiße Tücher mit der Aufschrift "Hungerstreik" sind am Zaun der Anlaufstelle in der Neinstedter Straße in Thale angebracht.

Am frühen Nachmittag machte sich am Donnerstag Martin Skiebe, amtierender Quedlinburger Landrat, ein Bild vor Ort. "Wir haben mit den im Hungerstreik befindlichen Menschen ein vernünftiges, konstruktives Gespräch geführt", schätzte er auf Nachfrage der MZ ein. Ziel des jetzt aufgenommenen Dialoges sei, Halberstadt nicht in Frage zu stellen, sondern nach Lösungen zu suchen, wie der Aufenthalt dort für die Asylbewerber aus Thale ausgestaltet werden kann. Skiebe meint damit konkret die von den Asylbewerbern befürchtete Verpflegung. In Thale können sie selber kochen, und so ihre religiösen und national bedingten Besonderheiten einhalten. Inder essen beispielsweise kein Rindfleisch. In Halberstadt sei diese Versorgung wegen der dortigen Großküche nicht einhaltbar.

Der amtierende Landrat vertritt die Ansicht, dass es zu jeder Zeit sehr emotionale Abwehrreaktionen zum Umzug nach Halberstadt gegeben hätte, auch wenn ein entsprechendes Gespräch mit den Betroffenen früher stattgefunden hätte. Die Schließung der Anlaufstelle in Thale sei außerdem seit langer Zeit bekannt gewesen. Jetzt sei es wichtig, die Situation nicht eskalieren zu lassen. "Ich hoffe, dass der begonnene Dialog fortgesetzt wird", sagte er.

Eine von den Protestierenden für Donnerstag angekündigte Straßenblockade gab es nicht. Grund war wohl, dass es endlich eine Reaktion vom Landkreis auf den Hungerstreik gegeben hatte. Die Verweigerung der Nahrungsaufnahme blieb jedoch nicht ohne Folgen. Einer der Streikenden brach am Nachmittag zusammen. Der Landkreis will laut Skiebe nun zumindest die hungernden Asylbewerber beobachten, um bei gesundheitsbedrohlichen Situationen eingreifen zu können. Mehr sei nicht möglich, da jeder das Recht habe, über sich selbst zu bestimmen.

Die streikenden Asylbewerber kritisieren unterdessen die Vorgehensweise der Ausländerbehörde des Landkreises. Die Verlegung nach Halberstadt mittels Aushang ist für sie nicht nachvollziehbar. "Wir haben keine Möglichkeit deutsch zu lernen, daher können wir den Aushang nicht lesen", heißt es auf an Passanten verteilten Handzetteln. Auch habe es keine Anhörung gegeben. Die Papiere der Asylbewerber seien lediglich mit der neuen Halberstädter Anschrift versehen worden.

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Asylbewerber protestieren gegen Verlegung in andere Unterkunft
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Asylbewerber protestieren gegen Verlegung in andere Unterkunft

Thale. Etwa 30 Bewohner einer Asylbewerberunterkunft in Thale protestieren gegen ihre Ende Mai geplante Verlegung nach Halberstadt.
Während einer Versammlung am Donnerstag verwiesen die vorwiegend aus Indien stammenden Menschen darauf, dass sie im Falle eines Umzugs eine Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen fürchten. Deswegen hätten sie einen Hungerstreik begonnen. Der Landrat des zuständigen Landkreises Quedlinburg, Martin Skiebe, sprach mit den Menschen und sicherte ihnen zu, ihr Anliegen ernst zu nehmen. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen der neuen Unterkunft für die Asylbewerber akzeptabel seien.

Auf dpa-Anfrage sagte Skiebe, das Gespräch mit den Menschen sei sehr sachlich verlaufen. Die Betroffenen hätten die Zentrale Aufnahmestelle des Landes für Asylbewerber (ZAST) in Halberstadt offensichtlich in schlechter Erinnerung. Nunmehr wollten sie unter keinen Umständen dorthin zurück. Es sei allerdings nicht geplant, sie in der ZAST unterzubringen, sondern in einer nahe der ZAST gelegenen Gemeinschaftsunterkunft. „Wir bleiben mit den Menschen in Kontakt“, sagte Skiebe. „Ich glaube nicht, dass es zu einer Eskalation kommt.“ Ein Bewohner der Unterkunft wurde am Donnerstag - angeblich wegen des Hungerstreiks - medizinisch betreut.

Hintergrund des geplanten Umzugs ist die Fusion dreier Landkreise im Zuge der zum 1. Juli in Kraft tretenden Gebietsreform. In dem neuen Harzkreis soll es nur noch eine Unterkunft für Asylbewerber geben, nämlich in Halberstadt. Der Mietvertrag für die Immobilie in Thale läuft Skiebe zufolge zum 31. Mai aus.

dpa
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