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Aufruf zur Prozessbeobachtung: Anklage gegen drei Afrikaner in Arnstadt

Staatsanwaltschaft macht Opfer zu Tätern: Anklage gegen drei Afrikaner in Arnstadt erhoben Am 3. und am 10. Juni 2004 findet jeweils 13 Uhr vor dem Arnstädter Amtsgericht.

Im Herbst 2000 wurden drei Flüchtlinge aus Arnstadt zuerst Opfer einer verbalen wie tätlichen rassistischen Attacke und anschließender Polizeiwillkür. Nach einem Diskobesuch wurden die Afrikaner von Deutschen in Autos verfolgt, beleidigt und später angegriffen. Sie versuchten sich der Angreifer zu erwehren. Die hinzukommende Polizei nahm die Asylsuchenden fest und bat dazu die deutschen Angreifer um Mithilfe.

Die Strafanzeige der Afrikaner gegen die Polizeibeamten wurde erwartungsgemäß durch die Justiz zurückgewiesen. Ein Ermittlungsverfahren gegen die deutschen Angreifer wurde zu keiner Zeit geführt. Jetzt setzt sich der Skandal fort: Die eigentlichen Opfer des rassistischen Angriffes sollen nun vor Gericht zu Tätern erklärt werden.

ZeugInnen haben bestätigt: Es waren die Afrikaner, die sich zuerst so bedroht fühlten, dass sie zwei Notrufe an die Polizei gaben. Es fielen auch in Anwesenheit der Polizei noch Beleidigungen. Einer der Afrikaner wurde unter den Augen eines Polizisten von einem der deutschen Angreifer getreten.

Die Polizeibeamten gaben an, zwischen den zwei Gruppen geschlichtet zu haben, was nach eigener Beschreibung so aussah, dass sie den Deutschen zuhörten, während sie die Afrikaner rabiat festnahmen.

Der Versuch sich gegen den rassistischen Angriff zu verteidigen soll jetzt ein gerichtliches Nachspiel haben, nachdem das juristische Vorgehen gegen die Angreifer und gegen die Parteilichkeit der Polizei zu den Akten gelegt wurde. Eine Verurteilung hätte für die beklagten Flüchtlinge unabsehbare materielle wie rechtliche Konsequenzen.

Die Angeklagten bitten um Unterstützung:

Kommt zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Arnstadt am
3. und 10. Juni 2004
jeweils um 13.00 Uhr
Adresse: Längwitzer Str.26 99310 Arnstadt

Im Vorfeld sind Informations- und Soliveranstaltungen geplant. Achtet auf weitere Ankündigungen. Es besteht auch die Möglichkeit für die notwendigen Anwaltskosten zu spenden:

Kontoverbindung: Förderverein The Voice e. V. Goettingen
Konto: 127829BLZ: 26050001
Sparkasse Goettingen

Staatsanwaltschaft macht Opfer zu Tätern: Anklage gegen drei Afrikaner in Arnstadt erhoben
Am 3. und am 10. Juni 2004 findet jeweils 13 Uhr vor dem Arnstädter Amtsgericht die Verhandlung gegen drei Afrikaner wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung statt. Der Grund der Verhandlung liegt bereits mehr als drei Jahre zurück. Im Jahr 2000, in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober, wurden die drei damals in der Arnstädter Gemeinschaftsunterkunft lebenden Asylsuchenden und deren beide deutsche Freundinnen nach dem Besuch einer Disko in Arnstadt von Deutschen in Autos verfolgt, dabei beleidigt und später angegriffen. In dieser Situation setzten sich zur Wehr.

Die selbst hinzu gerufene Polizei wertete die Situation als einen Angriff der Flüchtlinge und reagierte entschlossen: Die Angegriffenen wurden kurzerhand festgenommen. Dazu wurde um die Mithilfe der Angreifer bei der Festnahme von Seiten der Polizei gebeten, wie diese selbst zu Protokoll gab.

Die drei Afrikaner stellten Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt und weiterer Delikte gegen die beteiligten Polizisten in Arnstadt. Rabiates Vorgehen bei Festnahmen gehört allerdings offenbar hierzulande so sehr zur Normalität, dass die taatsanwaltschaft es nicht für nötig hielt, diese Vorgehensweise auch nur ansatzweise kritisch zu betrachten. Im Dezember 2001 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass dieses krmittlungsverfahren eingestellt sei.Eine Beschwerde gegen diese Einstellung ist inzwischen zurückgewiesen.

Ein Ermittlungsverfahren gegen die deutschen Angreifer wurde zu keiner Zeit geführt. Das eigentlich Skandalöse ist aber, dass mit der erhobenen Anklage die eigentlichen Opfer eines rassistischen Übergriffes juristisch nun zu den Tätern erklärt werden sollen.

Wenn sich im Zusammenhang mit dem Übergriff vom 21./22.Oktober 2000 in Arnstadt auch die ZeugInnenaussagen stark voneinander unterscheiden, so gilt einiges doch als bestätigt: Es waren die Afrikaner, die sich zuerst so bedroht fühlten, dass sie zwei Notrufe an die Polizei gaben.
Es fielen auch in Anwesenheit der Polizei noch Beleidigungen. Einer der Afrikaner wurde unter den Augen eines Polizisten von einem der deutschen Angreifer getreten. Das bewertet die Staatsanwaltschaft jedoch nicht als unterlassene Hilfeleistung durch die Polizei, da ein weiterer Polizist eingeschritten sei. Mit dieser Aussage wird einzelnen Beamten abgesprochen, verantwortlich handeln zu müssen.

Die Polizeibeamten geben an, zwischen den zwei Gruppen geschlichtet zu haben, was nach eigener Beschreibung so aussah, dass sie den Deutschen zuhörten, während sie die Afrikaner mit ihrem Eintreffen als Angreifende bewerteten.
Die Afrikaner seien "mit wildem Geschrei herumgerannt". Welche Bilder sich hinter einem solchen Satz verbergen, ist offensichtlich. Wenn sich die Angegriffenen vor dem Eintreffen der Polizei auch zur Wehr gesetzt haben mögen und sich die Deutschen plötzlich nicht mehr so sicher fühlten, dann macht diese Verteidigung die Angegriffenen noch nicht zu Tätern. Wenngleich die Folgen der Selbstverteidigung - nämlich die vollständige Verdrehung des Tathergangs – nicht untypisch sind für ein öffentliches Verständnis bei rassistischen Angriffen.Opfer nämlich haben einen Angriff über sich ergehen zu lassen. Sich zu verteidigen, zumal als Asylsuchender, ist nicht vorgesehen und zeitigt die nun erlebbaren Folgen, die für die drei Asylsuchenden verheerende Auswirkungen haben können.

Eine erfolgreiche Verteidigung im Strafverfahren kostet Geld. Wir bitten deshalb im Namen der Betroffenen, um eine Spende auf das Konto des Fördervereins The Voice .V.,Goettingen, Stichwort: "Arnstadt". Sollten die eingegangenen Spenden die Kosten für die Anwälte übersteigen, werden sie für ähnliche Unterstützung genutzt.

Kontoverbindung:
Förderverein The VOICE e V, Goettingen
Konto: 127829
BLZ: 26050001
Sparkasse Göttingen
Date: Thu, 22 Apr 2004 15:06:14 +0200

DENOUNCIATION OF NEO-NAZI ATTACK AND POLICE COMPLICITY
deutsch
ANZEIGE EINES NEONAZI-ÜBERFALLS MIT KOMPLIZENSCHAFT DER POLIZEI
http://www.basicrights.de/police-brutality/arnstadt_en.html
Polizei und Nazis - Hand in Hand Neonazi-Überfall auf
Asylbewerber in Arnstadt - Polizei ergriff Partei für die Nazis
NAZI ATTACK INCLUDING POLICE BRUTALITY IN ARNSTADT
http://www.nadir.org/nadir/aktuell/2000/11/01/1371.html

{dt. Übersetzung der Anzeige
gg. Nazis u. Pol. wg. des rassistischen Überfalls in Arnstadt am 22.10.00}

Ichtershäuser Str. 37-39,
99310 Arnstadt,
11th November 2000.

Staatsanwaltschaft Meiningen,
Friedenssiedlung 14,
98617 Meiningen,

ANZEIGE EINES NEONAZI-ÜBERFALLS MIT KOMPLIZENSCHAFT DER POLIZEI

Wir, Fopa George, Patterson Kenwou und John Adana, wohnhaft in Arnstadt, möchten hiermit unseren Gewissen folgend die Komplizenschaft der Polizei mit Neonazis anzeigen, welche uns in der Nacht vom 21. zum 22.10.00 in Arnstadt brutal angegriffen und erniedrigend behandelt haben.

An diesem 21.10. wurden wir in der Disco Lindeneck verbal und körperlich von einigen Deutschen angegriffen, während wir tanzten. Um ca. 4.00 Uhr verließen wir die Disco; einige Deutsche aus dieser 15köpfigen Gruppe verfolgten uns mit drei Autos bis zum Südbahnhof, andere gingen zu Fuß. Als sie uns verfolgten, riefen sie „Nigger“, „Affe“, „Raus aus Deutschland“ und sie nannten unsere Freundinnen „Schlampen“.

Als wir an der Längwitzer Straße waren, entschieden wir uns, anzuhalten und diese Gruppe vorbeizulassen, weil wir Angst vor einem möglichen Angriff hatten. Die Gruppe Deutscher erreichte uns einige Meter vom Südbahnhof entfernt, direkt vor dem Gedenkstein für die Menschen, die während des Todesmarsches aus dem KZ Buchenwald im April 1945 starben. An dieser Stelle wurde Patterson von einem der 15 deutschen Angreifer geschlagen, welcher ihn außerdem rassistisch beleidigte, in dem er sagte: „Nigger, ich hasse dich! Was machst du in Deutschland? Du mußt raus gehen.“

Nachdem der dieser eine Angreifer immer wieder auf ihn einschlug, schlug Patterson zurück. Daraufhin griffen auch andere aus der Gruppe Patterson mit Baseballschlägern, Knüppeln und zuletzt auch mit einem Messer an. Als John Patterson zu retten versuchte, wurde auch er von den Neonazis angegriffen. John zog sich zurück und rief das erste Mal mit seinem Funktelefon die Polizei an. Nachdem Patterson einige schwere Schläge erhalten hatte, fiel er zu Boden und der Mob trat und schlug weiter auf ihn ein. Bei dem Versuch, Patterson zu retten und ihm aufstehen zu helfen, wurde auch John Adana mit einem Baseballschläger und Knüppeln geschlagen, so daß er verletzt wurde.

John rannte dann weg, um erneut die Polizei anzurufen. In diesem Moment konzentrierten sich alle Angreifer auf Patterson und wurden immer brutaler. Völlig hilflos und in der Angst, von der rassistischen Bande ermordet zu werden, erinnerte sich Patterson daran, daß er eine Spielzeugpistole bei sich hatte. Er holte sie heraus, um dem Mob Angst zu machen, und alle rannten weg und ließen sogar eines ihrer Autos stehen. Als kurz nach der Flucht der Angreifer die Polizei eintraf, übergab John ihr den Schlüssel des zurückgelassenen Autos und zeigte ihr den Fluchtweg der Gruppe. Doch als die Polizei da war, erschien die rassistische Bande wieder, und sie fluchten, sie würden uns diesmal nicht so leicht davonkommen lassen. {i. Orig.: ...and even more aggressive this time swearing to deal with us.} Die Reaktion der Polizisten uns gegenüber war völlig negativ; sie weigerten sich, diese Bande von weiteren Angriffen abzuhalten. Während John gerade dabei war, den Überfall der Polizei zu schildern, schlugen dieselben Täter ohne von der Polizei gehindert zu werden weiter auf ihn ein.
Als er versuchte, sich gegen weitere Attacken zu wehren, wurde John von der Polizei mit Knüppeln geschlagen, wovon er an Hand und Rücken verletzt wurde. Patterson erklärte der Polizei, wie wir von dieser Gruppe angegriffen wurden, doch ein Polizist antwortete, er solle still sein, er sei ein Tier, ein „Nigger“ und solle in den afrikanischen Busch zurückkehren, aus dem er komme. Als die Polizei Patterson Handschellen anlegen wollte, protestierte er und fragte, warum er gefesselt werden solle. Doch die Polizisten bestanden darauf, denn er hätte eine Pistole gehabt, außerdem sei er ein Tier, er hätte das verdient. Die Polizisten wollten Patterson nicht zuhören, als er sagte, es sei nur eine Spielzeugpistole. Während der ganzen Zeit schlugen die Polizisten und, von diesen ermutigt, die anderen Deutschen auf uns ein.

Als Patterson in Anwesenheit der Polizei brutal mißhandelt wurde von diesen 15 Deutschen, wollte George eingreifen, aber die Polizei schlug ihn mit dem Knüppel auf seine linke Schulter und beleidigte ihn mit Worten wie „Nigger“. Einer der Neonazis verlangte, daß George durchsucht wird. George protestierte, doch die Polizisten sagten, er solle sich das gefallen lassen. Also von George unter den Augen der Polizei von den Angreifern durchsucht. Als die Polizei ihm Handschellen anlegen wollte, sagte er, er sei kein Krimineller und er würde freiwillig mitkommen. Darauf sagten die Polizisten, daß sie ihn, wenn er die Handschellen ablehnte, bei dieser Gruppe von Angreifern zurücklassen würde. George war furchtbar erschrocken angesichts der ihm drohenden Gefahr, so daß er seinen Widerstand gegen die Handschellen aufgab.

Jeder von uns wurde auf brutale Weise gefesselt; unterdessen erhielten wir mehr und mehr Schläge von der Polizei und der Bande von Deutschen, die uns angegriffen hatte. Sie zwangen uns, in die Polizeiautos einzusteigen, und fuhren uns zur Polizeistation, während die 15 Deutschen nicht verhaftet wurden. Diese gingen frei in die Polizeistation hinein, um uns erneut anzugreifen. Einer der deutschen Angreifer kaufte an einem Automaten heißen Kaffee und schüttete ihn John Adana ins Gesicht, die anderen lachten darüber und beleidigten uns mit rassistischen Sprüchen. John erstattete den Polizisten davon Bericht, aber ihm wurde lediglich gesagt, er solle sich wieder hinsetzen. Nach all diesen rassistischen Beleidigten wurden wir fotografiert und unsere Identität wurde festgestellt. Ich, John Adana, wurde von 5.00 Uhr bis 11.00 Uhr festgehalten, George Fopa bis 14.00 Uhr und Patterson Kenwou bis 15.00 Uhr ohne Wasser, etwas zu essen und warme Bekleidung zu erhalten. Letzterem wurde selbst das Recht, zur Toilette zu gehen verweigert, als er danach fragte. Wir haben das Vertrauen in die Polizei verloren und fühlen uns in Anwesenheit der Polizei bedrohter und unsicherer. Die Polizei hat uns nicht geschützt in einer Situation, als wir hilflos waren und ihren Schutz brauchten.

Patterson Kenwou,Kamerun
George Fopa, Kamerun
John Adana, Sierra Leone

http://www.nadir.org/nadir/aktuell/2000/11/01/1371.html

The VOICE e. V. Africa Forum, Human Rights Group,
Schillergäßchen 5,
07745 Jena,
Tel: (03641) 66 52 14 / 44 93 04
Fax:(03641) 42 37 95 / 42 02 70
E-mail: voice_mail@emdash.org

Polizei und Nazis - Hand in Hand
Neonazi-Überfall auf Asylbewerber in Arnstadt - Polizei ergriff Partei für die Nazis

Gegen Naziterror, Polizeigewalt und die diskriminierenden Ausländergesetze demonstrierten knapp 400 Menschen am vergangenen Samstag im thüringischen Arnstadt. Anlaß der Aktion antirassistischer und antifaschistischer Gruppen aus der Region war ein Nazi-Überfall auf Flüchtlinge, der sich bereits am 22.10. ereignet hatte.

An diesem Tag waren drei afrikanische Asylbewerber und zwei deutsche Frauen nach dem Besuch der Disco „Lindeneck“ von 15 Nazis angegriffen wurden. Direkt vor dem Denkmal für die Opfer des Buchenwalder Todesmarsches wurde von den mit Baseballschlägern, Knüppeln und einem Messer bewaffneten Nazis der kamerunische Flüchtling Patterson Kenwou niedergeschlagen und schon am Boden liegend weiter traktiert. Beim Versuch, ihm zu helfen, wurden auch sein Freund George Fopa geschlagen und verletzt. In Todesangst zog Patterson schließlich eine Spielzeugpistole aus der Tasche, woraufhin die Bande panisch flüchtete und sogar eines ihrer Autos zurückließ.

Als jedoch die von den Angegriffenen alarmierte Polizei eintraf, weigerte sie sich, die Aussagen der Opfer anzuhören und ihnen Schutz zu gewähren. Vielmehr ermutigte sie den rassistischen Mob, der nach ihrem Eintreffen zum Tatort zurückkehrte, zu weiteren Attacken. Unter den Augen der Polizei wurden die Flüchtlinge immer wieder geschlagen, einer von ihnen von den Nazis „durchsucht“, und später wurden den dreien auf brutale Weise von den Beamten Handschellen angelegt. Dem protestierenden George Fopa wurde angedroht, ihn schutzlos dem Mob zu überlassen. Noch auf der Polizeistation wurden sie von den ebenfalls dorthin gekommenen Nazis mißhandelt; auch Polizeibeamte beteiligten sich durch Beleidigungen wie „Tier“ und „Nigger“. Bis zu 10 Stunden wurden die Flüchtlinge auf der Wache festgehalten, ohne Essen und Trinken zu erhalten.
Vollends die Tatsachen verdrehte der Pressesprecher der Gothaer Polizei, Herr Fugmann, in seinem sonntäglichen Bericht, der von einem Angriff der Afrikaner auf „eine Gruppe von Deutschen“ spricht. Auch fehlte nicht das Stereotyp vom „als ersten angetroffenen Ausländer, welcher gerade einer deutschen Frau hinterherrannte“. Die Verhaftung der drei wegen angeblichen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie versuchter Gefangenenbefreiung hätte „erst mit Hilfe der anwesenden Deutschen“ erfolgen können.

Dieser Bericht erschien fast wörtlich in der Montagsausgabe des Lokalteils der „Thüringer Allgemeine“ (TA) und heizte die aggressive rassistische Stimmung in der Stadt weiter an. Für die in der Stadt lebenden Ausländer verschlechterte sich die Situation weiter, Beschimpfungen in aller Öffentlichkeit geschehen täglich, niemand vertraut mehr der Polizei. Wie auf Bestellung sammelten sich am folgenden Samstag, den 28.10., ca. 200 Nazis am Arnstädter Bahnhof. Möglicherweise planten sie einen Angriff auf das Heim, wie sie ihn zuvor angedroht hatten, doch infolge erhöhter Polizeipräsenz eskalierte die Lage nicht.

Zunehmend widersprechen sich mittlerweile die Sprecher der Polizei bei dem Versuch, die von der Menschenrechtsorganisation The Voice, der Gewerkschaft hbv und dem Thüringer Flüchtlingsrat gegen sie erhobenen Vorwürfe abzuwehren. In der TA vom 09.11. spricht der Gothaer Polizeiführer Egon Luthardt von einer Auseinandersetzung aufgrund „persönlicher Rivalitäten wegen Frauen“, während er andererseits die Freundinnen der Afrikaner als nicht neutral bezeichnet; den dankt er für ihre „Zivilcourage“. So sollen schon im Vorfeld weiterer Ermittlungen der politische Hintergrund der Tat geleugnet und den beiden deutschen Frauen die Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Auf Anfrage der Südthüringer Zeitung „Freies Wort“ (FW) erklärte am 23.10. der für den erwähnten Polizeibericht vom Vortag verantwortliche Herr Fugmann, die Täter-Opfer-Situation sei unklar. Außerdem räumte er ein, einer der Deutschen sei eine „Glatze“ gewesen. Von der Kriminalpolizei Gotha, an die der FW-Journalist verwiesen wurde, war noch am 08.11. keine Auskunft zu dem Vorfall zu erhalten. Einen Tag später jedoch weiß Polizeichef Luthardt der TA (s.o.) zu berichten: „Die Beamten haben verhältnismäßig und umsichtig gehandelt.“ Ebenso widersprüchlich nennt die TA im selben Artikel nicht mehr Kenia und Sierra Leone als Herkunftsländer der Flüchtlinge wie noch am 23.10., sondern übernimmt die korrekte Zuordnung (Kamerun und Sierra Leone) aus der angeblich gegenstandslosen Darstellung des Flüchtlingsrates.

Einen Aspekt solcher Kumpanei zwischen den Nazibanden und der Polizei konnten auch die Demoteilnehmer am vergangenen Samstag erleben. Ungehindert von der Polizei konnten Arnstädter Nazis bis unmittelbar an die Demo herankommen und mit dem Kühnen-Gruß provozieren. Diesem Treiben mußte schließlich durch die Demonstranten ein Ende gesetzt werden. Während seiner Ansprache wies Eben Mancho, der Vertreter von the Voice, auf den evidenten Zusammenhang zwischen Staatsrassismus und Nazigewalt hin: „Die rassistischen Ausländergesetze, wie z.B. das „Residenzpflichtgesetz“, welches das Grundrecht auf Bewegungsfreiheit für Flüchtlinge auf einen Landkreis begrenzt, sind eine wichtige Grundlage, für die Anschauung der Nazis, daß Ausländer Menschen zweiter Klasse seien, die sie als Freiwild behandeln können.“ Alle Redner der Demonstration wiesen auf die Notwendigkeit weiterer Interventionen hin, um eine wahrscheinliche Verschleppung bzw. Einstellung der Ermittlungen gegen Nazis und Polizisten zu verhindern.

bei Robert Faßler
Info Laden, Jena.

english

Arnstadt: Polizei und Nazis Hand in Hand....
Liebe Freunde,

als Anlage erhaltet ihr einen Bericht über einen Nazi-Angriff auf afrikanische Asylbewerber in Arnstadt und einen anschließenden massiven Polizeiübergriff gegen dieselben - wohl der gravierendste Vorfall, von dem wir seit längerer Zeit gehört haben. Der Text stammt vom The Voice-Aktivisten Eben, der die Betroffenen besucht hat, die (möglicherweise leicht fehlerhafte) Übersetzung von uns. Außerdem erhaltet ihr eine Abschrift des in Ebens Bericht genannten Hetzartikels der “Arnstädter Allgemeinen” vom 23.10. Nachzutragen ist, daß (wie auf Bestellung) am Nachmittag des darauffolgenden Samstags ca. 200 Nazis vor dem Flüchtlingsheim auftauchten. Sie wagten aber angesichts der gezeigten Verteidigungsbereitschaft der Bewohner keinen Angriff, zogen ab und marodierten noch längere Zeit in der Stadt.

Infoladen Jena

Nazi-Angriff und Polizeiübergriff auf afrikanische Flüchtlinge in Arnstadt

In der Nacht vom Samstag, den 21.10., zum Sonntag, den 22.10., wurden drei Afrikaner von einer Gruppe Neo-Nazis in der Größe von etwa 20 Personen (junge Männer und Frauen) angegriffen. Es begann in einer Diskothek namens Lin Denek, als Paterson Kenwou auf der Tanzfläche geschlagen wurde als er mit seiner Freundin tanzte, woraufhin John, den Vorschlag machte, dass es angesichts eines derart brutalen Akts in dieser Disko besser sei heimzugehen.

Fünf von ihnen (Paterson Kenwou und Fopa George aus Kamerun, John Adana aus Sierra Leone sowie zwei weitere junge Deutsche) verließen die Diskothek und wurden von dieser Gruppe von Neo-Nazis im Alter von 20 bis 30 Jahren verfolgt. Dabei beleidigten sie diese mit Ausdrücken wie “Affe”, “Nigger raus”, die Mädchen schimpften sie Prostituierte.

Außerdem zerbrachen sie ein paar Meter von ihnen entfernt Flaschen, um ihnen Angst einzujagen. Als sie an der Haltestelle ankamen, traf diese Gruppe sie vor dem “Todesmarsch”-Stein, einem Gedenkstein für die Häftlinge des KZ Buchenwald und seiner Außenlager. Dieses Denkmal liegt in der Längwitzer Straße.

Als die Nazis die Afrikaner vor dem Gedenkstein trafen, bewegte sich einer von ihnen auf Paterson Kenwou zu und gab ihm fünf Schläge auf den Kopf. Bis zu diesem Zeitpunkt versuchte Paterson, sich ruhig zu verhalten. Nach dem fünften Schlag, war es so schmerzhaft für ihn, dass er es nicht mehr aushalten konnte, da er an die Wand gedrängt war. An diesem Punkt, verabreichte er dem Nazi einen Schlag, der ihn zu Boden fallen ließ. Bevor er fiel, hielt er Paterson Kenwou fest und zog ihn mit sich zu Boden. Während er fiel, nahm ein andere Neonazi einen Baseballschläger? und schlug ihn damit auf den Kopf und er fiel nieder. Zu diesem Zeitpunkt kamen seine afrikanischen Brüder um ihn zu helfen, und ihn herauszuholen, bevor der Mob überhin herfallen könnte. Während er am Boden lag und versuchte, wieder zu Bewusstsein zu kommen, wurden die anderen genau von jenem Mob geschlagen. Als er sich zu erheben versuchte, und einen der Nazis, den größten von ihnen, mit einem Messer in der Hand auf ihn zukommen sah, stand er sofort auf und ging zu seinen Freunden und er erinnerte sich daran, daß er eine Spielzeugpistole in seiner Jacke hatte. Er nahm seine Jacke und holte diese Pistole heraus. Das erschreckte die Nazis, so daß sie zurück zu ihren Fahrzeugen liefen und z.T. wegfuhren. Jetzt hatte John Adama die Möglichkeit die Polizei anzurufen, die kurze Zeit später mit drei Streifenwagen anrückte.

Als die Polizei eintraf, kamen die Nazis, die sich aus Angst vor der Spielzeugpistole versteckt hatten, wieder. Sie waren aggressiver als zuvor, nachdem sie mitbekommen hatten, daß die Polizei auf ihrer Seite stand. Ein Nazi schlug John Adana, und als dieser zurückschlug, wurde er von einem Polizisten mit einem Stock so sehr geschlagen, daß dieser zerbrach. Dadurch wurde Johns Hand verletzt. Die Freundin von Paterson Kenwou versuchte, den Polizisten die Situation zu erklären, aber sie wurde ignoriert, weil sie für die Afrikaner Partei ergriff.

Als Georges Fopa Handschellen angelegt werden sollten, protestierte er bis die Polizei ihm androhte, ihn den Nazis zu übergeben. Also wurden die drei Afrikaner mit Handschellen gefesselt und zur Polizeistation gebracht, wo sie weiter inhuman behandelt wurden. Die drei waren sehr erschrocken darüber, daß die Polizei anstatt sie zu schützen, mit den Nazis sympathisierte, was sich auch in rassistischen Beleidigungen ausdrückte. Außerdem wurden die Nazis nicht gefesselt von der Polizei.

Als sie auf der Polizeistation waren, ging einer der Angreifer zu einem Kaffeeautomat, holte sich eine Tasse Kaffee und schüttete das heiße Getränk auf Johns Brust. Kurz darauf bekam John mit, daß die Polizei den Nazi aufforderte, das Gebäude zu verlassen. Nachdem alle polizeimaßnahmen beendet waren, wurden George und John entlassen, während Paterson noch bis 15.00 Uhr festgehalten und weiter mißhandelt und beleidigt wurde. Als er z.B. fragte, ob die schmerzenden Handschellen abgenommen werden könnten, lachten die Polizisten darüber. Einer sagte zu seinen Kollegen: “Hört mal, der Schwarze hat Schmerzen”, und zu Paterson gewandt: “Das macht nichts, du bist doch nur ein Tier, du kommst aus dem Busch. Warum bist du überhaupt hierher gekommen? Du solltest zurück nach Afrika gehen.” Während der gesamten Zeit erhielt Paterson nichts zu trinken und zu essen.

Völlig die Tatsachen verdrehte schließlich der Polizeibericht, der der “Arnstädter Allgemeinen” zugesandt wurde. Das zeigt, das die Polizei rassistisch ist und üble Methoden gegen Ausländer anwendet. Es ist ein klares Beispiel dafür, wie die Polizei die deutsche Bevölkerung gegen Flüchtlinge verteidigt, welche durch die rassistischen Gesetze immer in einer gefährdeten Position sind. Wir fordern die Abschaffung aller dieser Gesetze, wir fordern eine offene Gesellschaft und wir fordern die Amtsenthebung des Arnstädter Polizeichefs, weil dieser verantwortlich ist für diesen schwerwiegenden Vorfall in seinem uständigkeitsbereich.

Nachdem wir das Interview mit den betroffenen Flüchtlingen geführt und das Heim verlassen hatten, machten wir einen Bummel durch ein Einkaufszentrum und wurden die ganze Zeit beschimpft. Hundert Meter hinter dem Heim hielt das erste Auto neben uns und die Insassen riefen: “Nigger, Affen raus” u.ä. Kurz vor dem Einkaufszentrum hörten wir dasselbe aus weiteren Autos. Dasselbe passierte auch am Mittwoch, und nun wissen wir das es in Arnstadt sehr viele Nazis gibt und das ein gefährlicher Ort für Migranten und besonders Flüchtlinge ist.
Durch die Kollaboration der Polizei werden die Nazis zu weiteren Angriffen auf Ausländer ermuntert, die sie als Ursache ihrer Probleme ansehen.

und hier der hetzartikel aus der arnstädter allgemeinen:

Arnstädter Allgemeine, Montag, 23.10.2000 “Polizei tätlich angegriffen Arnstadt. Zu einer Auseinandersetzung zwischen deutschen und ausländischen Bürgern ist es am Sonntag gegen. 4.55 Uhr am Südbahnhof in Arnstadt gekommen. Nach dem Notruf begaben sich sofort drei Streifenwagen zum Ereignisort. Dort stellten die Beamten fest, dass drei Ausländer mit dunkler Hautfarbe eine Gruppe von Deutschen verfolgte und tätlich angriff. Der zunächst angetroffene Ausländer, der gerade einer deutschen Frau hinterherrannte, wurde durch die Polizeibeamten aufgefordert, davon abzulassen. Da er dem nicht nachkam, wurde er mit körperlicher Gewalt dazu gezwungen. Hierbei kam es zum Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten, dabei richtete der ausländische Bürger kurzzeitig eine Pistole gegen die Polizeibeamten.

Diese vermeintliche Waffe konnte ihm durch die Polizisten abgenommen werden. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Spielzeugpistole handelte. Als der tatverdächtige Ausländer vorläufig festgenommen worden war, versuchten zwei weitere Ausländer, ihn gewaltsam zu befreien. Erst mit Hilfe der anwesenden Deutschen wurden die Ausländer unter Kontrolle gebracht und vorläufig festgenommen. Drei Polizeibeamte und zwei deutsche Bürger wurden leicht verletzt. Bei den drei ausländischen Tatverdächtigen handelt es sich um Asylbewerber aus Kenia und Sierra Leone zwischen 18 und 25 Jahren.

Warum es zur Auseinandersetzung kam, konnte noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. Offensichtlich kam es bereits in einer Diskothek in Arnstadt zu Beleidigungen zwischen den beiden Gruppen.”

Die Formulierungen erinnern stark an Polizeijargon. Vermutlich wurde der Polizeibericht (fast) wörtlich übernommen.

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